Bibimbab - Verrührter Reis aus dem Topf

in Reis

Die Italiener haben ihr Risotto. Absolut köstlich! Wir Koreaner haben aber auch ein nationales Reisgericht, auf das wir sehr stolz sind und das uns natürlich auch mindestens so gut schmeckt. Und dieses heißt „Bibimbab“ (Foto: MissSeoulFood)


Normalerweise hasse ich Flugzeugessen. Das kann ich auch erklären. Als ich ungefähr 19 Jahre alt war, „musste“ ich mit meiner Familie für wenige Wochen nach Korea fliegen, um an der Hochzeit meines jüngsten Onkels teilzunehmen und meine 70 Verwandten zu treffen. Eigentlich fliege ich ja sehr gern gen Osten. Nur war ich zum Zeitpunkt dieses Fluges krank. Und so war der neunstündige Flug eine einzige Qual für mich. An Essen im Flugzeug, welches ich sowieso nicht besonders toll finde, war in diesem Fall gar nicht zu denken. Mir war die ganze Zeit nur übel und ich wollte einfach nur ganz schnell ankommen.

Flugzeugessen...


Seitdem meide ich Essen im Flugzeug. Vor kurzem habe ich dazu noch gelesen, dass sich das Geschmacksempfinden in so großen Höhen stark verändert. Und man deshalb Flugzeugessen oft als ungenießbar empfindet. Also gleich zwei Gründe, warum ich im Flieger äußerst ungern esse. Bis zu meinem letzten Flug nach Seoul mit Korean Air. Denn auf diesen Flug war man auf die Idee gekommen, ein echtes, traditionelles, koreanisches Gericht zu servieren: Bibimbab - „Verrührter Reis“. Und der war eine kleine Sensation für meine höhenverstimmten Geschmacksnerven. Ich habe alles aufgegessen und hätte mich auch noch auf eine zweite Portion gestürzt. Leider ist das Essen im Flugzeug rationiert. Zumindest in der Economy Class.
Bibimbab heißt auf Deutsch tatsächlich verrührter oder vermischter Reis. Und erklärt die Verzehrweise: Gekochter, weißer Reis, jede Menge Gemüse, gebratenes Fleisch und ein Spiegelei werden gemeinsam in einer Schüssel serviert. Das sieht auf jeden Fall schon mal sehr schön und bunt aus. Mit süß-scharfer Peperonipaste wird nach Geschmack gewürzt. Und anschließend mit dem Löffel alles gut miteinander vermengt. Erst jetzt darf gegessen werden. Weil sich diese Herangehensweise nicht sofort und jedem erschließt, gibt es im Korean Air Flugzeug eine kleine Bedienungsanleitung mit Bildern. Die rote Peperonipaste wird in Flugzeug entweder wie Senf in einer kleinen Tube, oder wie Kaffeesahne in einem Döschen zum Aufreißen serviert. Und so wird man bereits auf dem Weg nach Korea mit der traditionellen Esskultur vertraut gemacht.

Ein leckeres, vegetarisches Gericht


Da Bibimbab aus vielen einzelnen Komponenten besteht, kann man das gebratene Fleisch auch ganz einfach weglassen. Und hat dann plötzlich ein sehr leckeres vegetarisches Gericht. Obwohl Vegetarismus in Korea nicht besonders verbreitet ist, ernährt sich eine Bevölkerungsgruppe ausschließlich vegetarisch. Und das sind buddhistische Geistliche. Ich glaube, das hat etwas mit dem Thema Wiedergeburt zu tun. Was ist, wenn das Rindersteak die Inkarnation der toten Oma ist? Ungefähr die Hälfte meiner Verwandtschaft glaubt an Buddha. Eine meiner zahlreichen Tanten nahm mich daher auch zu Buddhas Geburtstag am 8. April mit in „ihren“ Tempel. Dort erwartete mich ein fröhliches, lebendiges und stimmungsvolles Fest. Ein bisschen wie das christliche Weihnachten, womit ja auch die Geburt eines charismatischen Religionsführers gefeiert wird. Und als vegetarisches Festtagsessen gab es: Bibimbab!
Die Top-Variante von Bibimbab habe ich, wie so oft, erst in Korea kennengelernt. Zu Hause bei meiner Mutter gab es nur die Einfach-Version. Die Luxus-Ausgabe unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt: der Zubereitung in einem Steintopf. Sämtliche fertige Zutaten werden zum Schluss in einen Steintopf gegeben und auf offener Flamme und sogar noch bei Tisch nachgegart. Eine besonders heiße und krosse Angelegenheit. Dazu muss man allerdings nicht nur einen Steintopf zu Hause haben, sondern auch einen Gasherd. Aber was tut man nicht alles, um gut zu essen.

Und so macht man Bibimbab (vier Portionen)


200 Gramm weißer Reis
350 Gramm dünne Rindfleischstreifen
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Für die Fleischmarinade
2 EL Sojasauce
2 EL Sesamöl
1 TL koreanischen Reiswein
1 gehackte Knoblauchzehe
2 EL Zucker
1 EL weiße Sesamsaat
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1 Möhre, in feinen Streifen
150 Gramm frischer Spinat, kurz blanchiert
250 Gramm frische Sojabohnensprossen, verlesen und kurz blanchiert
4 Spiegeleier
Sesamöl, Sojasauce und koreanische Peperonipaste zum Abschmecken
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Den Reis nach Packungsanweisung kochen.
Das Fleisch rund 30 Minuten in einer Marinade aus Sojasauce, Sesamöl, Reiswein, Zucker, Sesamsaat und Knoblauch einlegen. Während des Marinierens kühl stellen. Anschließend braten. Es sollte außen knusprig und innen noch rosa sein. Warm halten.
Die Möhrenstifte kurz anbraten, sie müssen knackig bleiben. Spinat und Sojabohnensprossen hintereinander kurz blanchieren. Möhren, Spinat und Sojabohnen einzeln mit Sesamöl und Sojasauce abschmecken.
Den Reis auf vier Schüsseln verteilen, das Fleisch und das Gemüse sternförmig in Gruppen darauf verteilen (siehe Foto). Zum Schluss jeweils ein gebratenes Spiegelei auflegen.
Vor dem Essen werden alle Zutaten mit dem Löffel miteinander verrührt. Jeder würzt dabei nach persönlichem Geschmack das Gericht mit scharfer koreanischer Peperonipaste nach.
Vegetarier lassen das Fleisch weg und nehmen stattdessen ein Gemüse nach Wahl. Wer sich zudem vegan ernährt, muss auf das Spiegelei verzichten. Ach ja, eine Portion Kimchi gehört natürlich, wie bei jedem koreanischen Essen, auf jeden Fall dazu!