Chachangmyeon - Koreanische Spaghetti

in Nudeln

Kennen Sie Chachangmyeon? Wahrscheinlich nicht. Ist ja auch ein „chinesisches“ Nudelgericht, das es aber nur in Korea gibt. Also so etwas wie Chop Suey, das es weltweit, nur nicht in China gibt. Obwohl es tatsächlich ein chinesisches Vorbild geben soll: Zha Jiang Mian aus der Provinz Shandong. (Foto: MissSeoulFood)

Chachangmyeon-Tag

Ich kenne Chachangmyeon natürlich aus meiner deutsch-koreanischen Kindheit im Ruhrgebiet. So weit haben es die chinesischen Nudeln aus Shandong also schon gebracht. Chachangmyeong-Tag war immer (m)ein Festtag: Selbstgemachte Weizennudeln, dazu eine dicke, schwarze, salzige Sauce aus Sojabohnenpaste, in der viele Zwiebeln, Rindfleisch, kleingeschnittene Kartoffeln und Karotten schwammen. Als begleitende Beilage gab es eingelegten Rettich, rohe Zwiebeln, die in einen Extra-Klecks „Chachang“-Sauce getunkt wurden und wie immer Kimchi. Rückblickend ein echtes Kindergericht: Weiche Nudeln, zartes Fleisch, salzige Sauce, „Kindergemüse“, wie Karotten und Kartoffeln – und die Gelegenheit, sich mit der dicken, schwarzen Sauce so richtig schön einzusauen! Die Sauce klebt nämlich fast so gut wie Nutella. Mjam!
Ich esse Chachangmyeon aber bis heute sehr gern! Am liebsten natürlich, wenn es nach dem Rezept meiner Mutter gekocht wurde. Am allerliebsten wenn meine Mutter es selbst gekocht hat. Sehr schlimm finde ich die Instant-Varianten, die die koreanische Nahrungsmittelindustrie mittlerweile auf den Markt gebracht hat. Da gibt es Marken, bei denen die Sauce aus Trockenpulver angerührt wird. Furchtbar! Sehr lecker ist es natürlich auch in Seoul. In den koreanischen China-Restaurants sucht man die Nummer 1 bis 399 mit Glutamat, Frühlingsrolle und Sauce süß-sauer nämlich vergebens. Im Mittelpunkt stehen hier doppelt gebackenes Schweinefleisch, zugegeben süß-sauer, Mandu (Teigtaschen mit Fleischfüllung) und - Chachangmyeon.
„My brother comes to Korea only to eat this stuff“, erzählte Eileen, meine koreanisch-amerikanische Kommilitonin an der Sprachschule der Yonsei-University in Seoul beim Mittagessen. Andere Koreaner, die im westlichen Ausland geboren wurden und aufgewachsen sind, sind offensichtlich der gleichen Meinung wie ich. Von Chachangmyeon kann man nicht genug kriegen…Dafür fliegt man schon mal um die halbe Welt.

Ein koreanisch-chinesisches Gericht


Angeblich gibt es dieses koreanisch-chinesische Gericht seit ca. 100 Jahren in Korea. Und es gehört mittlerweile zur Top 100 der „Korean Cultural Symbols“, die sich die koreanische Regierung ausgedacht hat. Von wegen chinesisches Essen. Außerdem ist es wohl eines der beliebtesten Gerichte, welches sich die Koreaner ins Haus liefern lassen. Sozusagen das koreanische Gegenstück zur Pizza Salami. Ich weiß auch ehrlich gesagt gar nicht, ob dieses Gericht so gesund ist. Weiße Weizennudeln sollen ja nicht so gut sein. Eine salzige Sauce, auch wenn sie rein pflanzlich ist, wohl auch nicht. Wahrscheinlich ist das viele Gemüse noch einigermaßen in Ordnung. Aber wer isst schon ausschließlich, um sich möglichst gesund zu ernähren? Ich glaube, nur Vegetarier und andere Heilige.
Als ich noch in Korea studierte (das war Anfang der 90-er Jahre), wurde Chachangmyeon sogar als Code in Liebesdingen „missbraucht“. Schlug einer der Beteiligten beim (Blind) Date den Genuss von Chachangmyeon vor, konnte der andere ziemlich sicher sein, dass aus der Romanze nichts wird. Denn so wirklich gut sieht man nicht aus, wenn man Chachangmyeon mit dem ihm gebührenden Respekt und Genuss isst. Überhaupt wurde koreanisches Essen beim ersten, hoffnungsvollen Date immer vermieden. Zuviel Rotz, Schweiß und starke Gerüche, die dieses heiße, scharfe und köstliche Essen hervorruft. Meine Tante hat beim ersten Date ein Hackbraten-Steak gegessen. Ihr heutiger Mann einen Espresso getrunken. Sie müssen sehr verliebt gewesen sein. Dass die beiden freiwillig auf Chachangmyeon verzichtet haben…

Und so macht man Chachangmyeon:

 

Vier Portionen gekochte „Myeon“-Nudeln
150 g Rinderfilet
250 g Kartoffeln
200 g Zwiebeln
250 g Karotten
100 g schwarze Bohnenpaste („Chachang“)
2 Knoblauchzehen
400 ml Wasser
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Die Nudeln nach Packungsanweisung kochen.(Drei Minuten)
Das Fleisch und das Gemüse in gleich große Würfel schneiden. Sie müssen klein genug sein, dass man sie ohne Messer und Gabel essen kann. Aber groß genug, dass man sie noch mit Stäbchen greifen kann.
Fleisch, Gemüse und den gehackten Knoblauch in heißem Öl anbraten, mit Wasser ablöschen.
Die schwarze Bohnenpaste unter Rühren dazugeben und aufkochen.
Mit ein wenig Soßenbinder andicken und ca. zehn Minuten leise köcheln lassen. Aufpassen, dass die Soße nicht anbrennt. Die Soße muss eine sämige Konsistenz haben.
Als Beilage serviert man eingelegten koreanischen Rettich, rohe Zwiebelringe, getunkt in Chachang, feine Gurkenstreifen. Und natürlich Kimchi.