Miyeokguk: Die koreanische Algensuppe

in Fleisch

Es gibt Gerichte, die sind untrennbar mit den Erinnerungen an eine glückliche Kindheit verbunden. Zum Beispiel Linsensuppe. Mit Würstchen. Kein Wunder, dass es „Hausmannskost“ heißt. Gerichte wie eine Linsensuppe kann man nämlich nur „zu Hause“ essen. Wer kommt schon auf die Idee, eine Linsensuppe im Restaurant zu bestellen? (Foto: MissSeoulFood)


Algensuppe - Teil einer koreanischen Kindheit


So wie die Linsensuppe ein Teil meiner deutschen Kindheit im Ruhrgebiet ist, ist die Algensuppe Teil meiner koreanischen Kindheit. Diese Suppe gibt es nämlich zu jedem koreanischen Geburtstag. Ist also eine Art Festtagssuppe für besondere Anlässe. Wenn es zum Geburtstag keine Algensuppe gibt, war man entweder die letzten zwölf Monate nicht brav genug gewesen. Oder der Geburtstag wurde tatsächlich VERGESSEN! Gleichzeitig ist diese Suppe aber auch fest im koreanischen Alltag verankert. Kein Wunder, gibt es doch auf der Halbinsel Korea Algen im Wasser wie Sand am Meer. Mittlerweile werden sie natürlich auch gezüchtet. Um eine Algensuppe zu kochen, braucht man die sogenannte Braunalge. Die Japaner nennen sie „Wakame“, die Koreaner nennen sie „Miyok“. Und genauso heißt auch die Algensuppe im Original: Miyok-Guk.

Die Algensuppe meiner Kindheit wurde immer von meiner Mutter gekocht. Und zwar in großen Mengen. Schließlich musste die Suppe mehrere Tage lang die „koreanischen Reistafel“ abrunden. Ein riesiger Kochtopf stand auf dem Herd und köchelte stundenlang vor sich hin. Dabei zog ein salziger Duft nach frischem Meer durch das ganze Haus. Herrlich! So einfach weckt man Vorfreude auf ein leckeres Abendessen. Dass diese Suppe auf gar keinen Fall vor wichtigen Prüfungstagen gegessen werden darf, habe ich übrigens erst während meines mehrmonatigen Aufenthalts in Korea erfahren. Die Braunalge - Miyok - ist nämlich im aufgeweichten Zustand so glitschig, dass man auf ihr wie auf einer Bananenschale ausrutschen könnte. Eine mittelschwere Katastrophe, die man im koreanischen Sprachgebrauch mit dem Versagen einer Prüfung gleichsetzt (ausgerutscht = durchgefallen). Ob meine Mutter das vor meinen deutschen Klassenarbeiten immer beachtet hatte?
Insgesamt scheint diese Algensuppe aber nicht nur sehr lecker, sondern auch unglaublich gesund zu sein. Denn zur traditionellen, koreanischen Wöchnerinnen-Diät gehört die tägliche und literweise Zufuhr von Algensuppe. Angeblich über viele, viele Wochen. Wer nach mehreren Schwangerschaften immer noch auf Algensuppe schwört, muss ein echter Fan sein.
Miyok-Guk - frisch gekocht von meiner Mutter.

Aber jetzt will ich Sie nicht länger auf die Folter spannen, sondern endlich berichten, wie eine koreanische Algensuppe zubereitet wird. Das Rezept kommt natürlich von meiner Mutter, die mir noch hoffentlich viele, viele Geburtstagssuppen kochen wird.

 

Rezept für koreanische Algensuppe

 

Für die Brühe:

Eine große Beinscheibe
Eine flache Rippe
Zwei bis drei Markknochen
Ca. 1,5 Liter Wasser
Salz, Pfeffer, eine feingehackte Knoblauchzehe

Für die Einlage:

Eine Handvoll getrocknete Braunalge (Wakame)

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Beinscheibe, Rippe und Knochen gut abspülen. Mit kaltem Wasser aufsetzen, aufkochen lassen. In den ersten 30 Minuten den Schaum abschöpfen. Anschließend die Brühe rund zwei Stunden auf kleiner Hitze köcheln lassen.

Algen im kalten Wasser einweichen, ausdrücken, kleinschneiden.

Die fertige Brühe durch ein feines Sieb gießen, um Schwebstoffe zu entfernen. Die Markknochen wegwerfen. (Das Knochenmark schmeckt übrigens vorzüglich mit ein bisschen Fleur de Sel auf kräftigem Landbrot!) Das Suppenfleisch von den Knochen lösen und in kleine Stücke zerfasern. Salzen und beiseite stellen. Die Brühe mit Salz, Pfeffer und Knoblauch abschmecken. Fleisch und Algen in die Brühe geben.

Nach Geschmack bei Tisch mit Sojasauce würzen.

Diese Suppe sollte man immer mit weißem, gekochtem Reis servieren. Sonst ist sie „nicht richtig.“