Reiskuchen - Oder: Death by chocolate

in Süßes

Seit ich mein Büro in der südlichen Innenstadt in Dortmund bezogen habe, habe ich neue Nachbarn. Einige sitzen mir direkt gegenüber, andere sind ein bisschen weiter weg. Aber neu sind sie alle! Einer meiner Anrainer ist übrigens ein Asia-Supermarkt. Zugegeben, so ganz unbekannt ist er mir nicht. (Selbstverständlich kenne ich alle Einzelhändler in der Umgebung, die asiatische Lebensmittel verkaufen!). Aber erst jetzt lerne ich ihn so richtig kennen. Räumliche Nähe verbindet eben doch. (Foto: MissSeoulFood)

koreans
Letztens habe ich dem Supermarkt mal wieder einen Besuch abgestattet. Zusammen mit meinem Freund. (Ich brauchte einen Zehn-Kilo-Sack Reis! Und dieser musste schließlich zum Auto getragen werden…). Dieser deutsche junge Mann ist mit „Schusterjungs“, Gulasch und Currywurst aufgewachsen. Sie merken schon, ein echtes Ruhrpottkind. Gottseidank ist er jedoch mittlerweile so kosmopolitisch, dass er Kimchi, Bulgogi, Kimbab und Tintenfisch in scharfer Peperonisauce zum Frühstück essen kann. Ansonsten hätten wir wohl auch ein ernsthaftes Problem. Aber am allerliebsten isst er Süßes. In jeder Form. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. (Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Schaumküsse gekauft.)
Deshalb wunderte es mich auch nicht, dass wir minutenlang vor dem Süßigkeitenregal im Asia-Supermarkt standen. Und jede Packung einzeln begutachten und diskutieren mussten. Da wir nicht alle Süßigkeiten mit nach Hause nehmen konnten, haben wir uns auf zwei Pakete beschränkt: Sesambonbons mit Honig. Und japanische Mochi-Reiskuchen! Reiskuchen sind schon etwas sehr Besonderes in Ostasien. Im (traditionellen) Korea werden Reiskuchen nicht nachmittäglich zum Kaffee serviert. Sondern nur zu hohen Feiertagen, wie Neujahr oder Erntedank. (Weihnachten gibt es ja nicht im traditionellen Korea. Ostern auch nicht. Dafür wird Buddhas Geburtstag jedes Jahr aufs Neue gefeiert. Irgendwie sind sich diese ganzen Religionen ja doch ähnlich.) Dafür gibt es Reiskuchen sowohl in süßer, als auch in herzhafter, sogar scharfer Form. Aber Crêpes gibt es ja auch in süß UND in deftig. Gehen Sie mal über den Weihnachtsmarkt.

Kuchen aus gedämpftem Klebreis


„Mochi“ ist eine besondere Form des Reiskuchens. Er kommt traditionell aus Japan und besteht aus gedämpftem Klebreis. Der gedämpfte Reis wird in riesigen Holzbottichen mit einem großen Holzhammer geschlagen und nach jedem Schlag gewendet. Das sieht ganz schön gefährlich aus und ist es wahrscheinlich auch. Heutzutage sieht man diese Technik natürlich nur noch auf Volksfesten und ich glaube, im Korean Folk Village in der Nähe von Seoul. Maschinen haben mittlerweile diese anstrengende und gefährliche Arbeit übernommen. Denn Mochi sind an sich schon gefährlich genug.
In Japan ist es Tradition, dass zu Neujahr möglichst viele Mochi gegessen werden. (Fragen Sie mich jetzt nicht, wozu das gut sein soll… Alles kann ich auch nicht beantworten.) Das führt, jedenfalls in Japan, dazu, dass sich zu Neujahr Mochi-Todesfälle durch Ersticken häufen! Ist das nicht skurril? Tod durch zu viel Essen… Davon abgesehen sind Mochi natürlich köstlich! Weich, soft und zähklebrig in der Konsistenz und von einer sanften, reismehligen Süße zergehen sie auf der Zunge. Pur sind sie bereits ein Genuss. Aber in der Regel gibt es sie mit einer leckeren Füllung innen und einer köstlichen Panade außen. In den 1990er Jahren haben die Kalifornier dann auch noch Mochi-Eiscreme erfunden. (Die Kalifornier sind ja sehr kreativ in diesen Dingen. Man denke nur an California-Maki… Lecker!) Mochi-Eiscreme besteht aus einer Kugel Eiscreme, die von einer Schicht eiskaltem Klebreiskuchen umhüllt ist. Seitdem weiß ich, dass auch gefrorener Reiskuchen umwerfend schmeckt!
Wir haben übrigens eine Packung Mochi, gefüllt mit süßer Bohnenpaste und umhüllt von weißem Sesam mitgenommen. Ehrlich gesagt war ich ein bisschen skeptisch, ob dieser exotische Kuchen überhaupt von meinem Ruhrpott-Jungen gemocht und vertragen wird. Aber wissen Sie was? Er war begeistert! Wir hatten eine neue kulinarische Sensation entdeckt! Die Packung war innerhalb von Minuten verzehrt. Er möchte jetzt noch die acht anderen Mochi-Sorten aus dem Supermarkt probieren.
Seitdem habe ich ein bisschen Angst vor Neujahr...

Und so macht man koreanische Reiskuchen:


1 Tassen Klebreismehl
1 Tasse heißes Wasser
1 Prise Salz
Zucker nach Geschmack, ich lasse ihn auch gern ganz weg.
----------------------
Mehl mit Wasser und Zucker vermischen. Nach und nach mit dem heißen Wasser vermischen, bis ein glatter Teig entstanden ist. Er darf nicht zu trocken (bröselig) sein und auch nicht zu feucht.
Kleine Kugeln formen.
Im kochenden Wasser 3 bis 5 Minuten kochen, bis sie oben schwimmen.
In ein Sieb geben, kalt abschrecken, trocken lassen.
Wer möchte, wälzt die Kugeln in grünem Tee, gerösteter Sesamsaat (schwarz oder weiß) oder einer Zucker-Zimtmischung. Dazu sollten sie aber noch ein wenig feucht sein.