Kimchi Bigos - Korea meets Ruhrgebiet

in Kimchi

Ich lebe mit einem deutschen Mann zusammen. Er ist blond (mittlerweile eher grau), blauäugig, hellhäutig und braucht ganz viel Sonnenschutz, wenn wir aus dem Haus gehen. Er sieht also genauso aus, wie sich Asiaten einen echten deutschen Mann vorstellen. Allerdings ist er nicht nur Deutscher, sondern auch ein Bewohner des Ruhrgebiets. Und das bedeutet: Er hat osteuropäische Wurzeln… (Foto: MissSeoulFood)


Man nennt diese Menschen übrigens „Ruhrpolen“. (Bin ich dann eine „Ruhrkoreanerin“?). Damit sind Leute und ihre Nachfahren gemeint, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus dem früheren Königreich Polen, aus Masuren, der Kaschubei und aus Oberschlesien ins Ruhrgebiet eingewandert sind, um hier im Bergbau zu arbeiten.

Laut Wikipedia gelang die Assimilation dieser Einwanderer komplett: „Da die polnische Sprache nicht gepflegt wurde, sind die Nachkommen außer an den vielen polnischen Nachnamen im Ruhrgebiet (Sie wissen schon, diese ganzen Endungen mit „sky“, „ski“, „zak“, „cik“ und „zyk“…) und einigen letzten kulturellen Resten kaum noch von der angestammten Bevölkerung zu unterscheiden.“ (Ich glaube das ist das Phänomen, vor welchem sich Erdogan fürchtet.)

Ich kann übrigens beide Tatsachen bestätigen. Erstens heißt der Mann, der bei mir wohnt, tatsächlich „ski“. (Also sein NACHNAME endet auf dieser östlichen Silbe.) Und zweitens sind tatsächlich einige kulturelle Reste übriggeblieben…

Bauchfleisch - paniert



Ich merke es zum einen am Temperament (laut, direkt, häufig schimpfend, aber dabei immer sehr herzlich und liebevoll). Und an den Ernährungsgewohnheiten. Ich glaube, beides ist eine genetische Veranlagung.

So hat der Mann, der bei mir wohnt, eine sehr große Vorliebe für deftige, bodenständige Küche: Gebratenes Fleisch, Kohlenhydrate in Form von Brot, Kartoffeln und Nudeln, viel Mayonnaise, gern fettig und SEHR gern frittiert. Beim unserem letzten Besuch im Sushi-Restaurant hat er zum Beispiel eine neue Lieblingssushi-Sorte entdeckt. Die dicke Maki-Rolle mit dem frittierten Paniermehl drum herum…

Dank ihm habe ich auch paniertes Bauchfleisch mit Speckwürfeln und Bratfett als Sauce kennengelernt. Mit Kartoffelkößen. Beim ersten Versuch habe ich viel zu wenig Fett in die Pfanne gegeben und das Fleisch ist mir beinahe angebrannt. Dieses Paniermehl verschlingt wirklich viel Fett. Aber solche Ölmassen bin ich einfach nicht gewohnt.

Weil er aber gleichzeitig auch sehr gern asiatisch, sprich koreanisch isst - ansonsten hätten wir auch ein echtes Alltagsproblem miteinander – versuche ich, beide Küchen miteinander zu vereinen. Was unser Sushi-Lokal kann, kann ich schon lange.

Rausgekommen ist folgende Kreation. Kimchi-Bigos. Fand ich eigentlich nur naheliegend, schließlich ist Sauerkraut nichts anderes als Kimchi. Oder umgekehrt. Servieren kann man dazu klassisch europäisch Klöße. Wer eine asiatischere Variante bevorzugt, sollte Reis dazu reichen. Mir reicht auch ein Stück Brot dazu. Und mein deutsch-polnischer Mann? Hat jetzt ein neues Lieblingsgericht.

Und so macht man Kimchi-Bigos: (4 Portionen)


250 Gramm Sauerkraut

250 Gramm Kimchi

150 Gramm Schweinegulasch

2 Frühlingszwiebeln

150 Gramm Mettwurst

100 Gramm Speck

100 ml Rotwein

3 EL Sesamöl

Pflanzenöl, Sesamsaat

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Fleisch, Speckwürfel und Wurstscheiben mit in Ringen geschnittenen Frühlingszwiebeln in Öl anbraten.

Sauerkraut und Kimchi bei mittlerer Hitze kurz anbraten, mit Wasser aufgießen, köcheln lassen.

Fleisch zum Kraut geben, Rotwein angießen, mit Sesamöl würzen. Alles sollte so gerade eben mit Flüssigkeit bedeckt sein. Ggf. etwas Wasser dazugeben.

Ca. 2 Stunden leise köcheln lassen. Mit Sesamsaat würzen.

 

Alle fett gedruckten Zutaten gibt es ab demnächst in meinem MissSeoulFood-Onlineshop.