Winter in Korea

Es ist Winter in Deutschland. Auch in Südkorea. Korea befindet sich nämlich auf der Nordhalbkugel. Ungefähr auf dem Breitengrad, auf welchem auch New York und Neapel liegen. Ich finde es wichtig, Ihnen diese Information zu geben. Es gibt nämlich Menschen, die tatsächlich glauben, dass Korea in Äquatornähe liegt und dass Kokosmilch zum Bestandteil der traditionellen koreanischen Küche gehört. (Foto: MissSeoulFood)

 


Dabei wachsen in Korea gar keine Kokosnüsse an den Bäumen. Zu kalt. Viel zu kalt! Zwei südkoreanische Winter habe ich in meinem Leben bislang erlebt. Beim ersten war ich mit meiner Familie auf Kurzurlaub in Korea, weil Opa seinen 85. Geburtstag gefeiert hat. Allein die Anreise war ein einziges Abenteuer! Wir saßen damals nämlich stundenlang am Frankfurter Flughafen fest und konnten nicht los, weil das Wetter einfach zu schlecht war. Allerdings saßen wir da schon IM Flieger.

Abflug nach drei Stunden


Drei Stunden hat es gedauert, bis sich der Pilot endlich getraut hat, los zu fliegen. Mein Vater hatte ein ganz schlechtes Gewissen, weil wir ja SEINEN Vater besuchen wollten und er dafür die ganze Familie nach Korea geschleppt hat: „Was ist, wenn wir alle abstürzen? Was ist, wenn wir alle sterben? Dann bin ich schuld!“. Darauf, dass ihm dann keiner einen Vorwurf hätte machen können, weil wir ja alle tot gewesen wären, ist er gar nicht gekommen.
Mein zweites koreanisches Winterabenteuer habe ich erlebt, als ich mein Studienjahr in Seoul verbracht habe. Das ist zwar schon ganz schön lange her. Aber ich kann mich immer noch gut dran erinnern..
Und zwar an eisige Temperaturen, die der sibirische Wind mit sich bringt. Ohne eine lange Unterhose sollte man sich im Winter nicht aus dem Haus trauen. Aber auch im Gesicht wird es sehr kalt. Weshalb man am besten auch eine Skimaske tragen sollte.

Koreaner sind kälteempfindlich

Kein Wunder, dass die Koreaner generell ziemlich kältempfindlich sind. Das merkt man an überheizten Wohnungen, die so warm sind, dass man es drinnen nur noch im T-Shirt aushalten kann. Oder an meiner Tante, die bei 23 Grad Celsius im September mit Strickjacke und Strickstumpfhose durch Seoul läuft. Frierend. Oder an meinem Onkel, in dessen PKW wir zu Opas Geburtstag aufs Land gefahren sind. Er sah mit seinen zahlreichen Kleiderschichten aus wie ein Michelin-Männchen und konnte sich auch kaum noch am Steuer seines Wagens bewegen. Dafür war die Heizung voll aufgedreht und ich war kurz davor, einen Hitzeschock zu erleiden.

Oder an meiner Mutter, die immer panische Angst davor hat, dass ihre mittlerweile erwachsenen Kinder den plötzlichen Kältetod sterben könnten. Im Woll-Dufflecoat und bei zehn Grad Celsius in Waltrop.
Aber der koreanische Winter hat auch ganz zauberhafte Seiten. Der Schnee ist ganz pulverig, trocken und fein. Sogar in der Großstadt Seoul. Sehr romantisch. Vor allem, wenn man einen der vier alten Königspaläste besucht. Aus Dortmund und Waltrop kenne ich ja eigentlich nur grauen Matsch.

Winterzeit ist Kim-Jang-Zeit


Winterzeit ist Kim-Jang-Zeit. Dieses ganze Kimchi, über welches ich ständig schreibe, wächst schließlich nicht wie Kokosnüsse auf den Bäumen. Sondern muss in harter Arbeit eingelegt werden. Und das nennt man dann Kim-Jang. Eine alte Tradition und sehr gesellige Angelegenheit. (Im Zeitalter von Supermarkt-Kimchi aber eine aussterbende Tradition. Leider. Früher war alles besser…)
Was im deutschen Winter die gebrannten Mandeln sind, sind in Korea die gerösteten Esskastanien. Als ich ein Kind war, haben wir im Park Kastanien gesammelt und anschließend zu Hause geröstet. Lecker! So warm und süß und mehlig. Kannten meine deutschen Freunde so gar nicht. Die haben aus Kastanien und mit Streichhölzern lieber kleine Männchen gebastelt. Die gerösteten Kastanien gibt es in Seoul an zahlreichen Straßenständen. Mittlerweile sogar auf deutschen Weihnachtsmärkten!
Und noch einen Höhepunkt gibt es im koreanischen Winter. Das Neujahrsfest. Mit Reiskuchensuppe, einem alten Brettspiel namens Yut, traditioneller Kleidung. Und Neujahrsgeld. Am 28. Januar ist es übrigens soweit. Dann beginnt das Jahr des Huhn. Aber das ist eine andere Geschichte…