Im Laufe meiner Miss Seoul Food-Karriere habe ich jede Menge Menschen kennengelernt, die sich in die koreanische Küche verliebt haben. Dennoch bin ich immer wieder erstaunt, überrascht und manchmal sehr beeindruckt, wie tief das Foodwissen der Menschen hier in Deutschland reicht. (Foto: MissSeoulFood)
Was die Leute schon so alles gegessen haben, wie vertraut viele von ihnen mit dem koreanischen Ernährungsgewohnheiten und Tischsitten sind. Und wie sehr das Thema ganze Generationen umfasst:
Vom Teenager, der der K-Popmusik verfallen ist, über den Studenten, der gerade von einem Auslandssemester in Korea zurückkehrt, den mittelalten Geschäftsmann, der Korea in zig Reisen kennenlernt hat, bis zur älteren Dame, die so viele koreanische Filme und Serien auf Netflix gesehen hat, dass sie fast jedes Gericht und sogar jede Zutat korrekt benennen kann.
Wir interessieren uns für Jjamppong
Letztens habe ich wieder einen meiner Korean BBQ-Kurse gegeben. Und traf auf jemanden, der lange für ein koreanisches Unternehmen tätig war und daher häufig nach Korea reisen durfte (oder musste, je nach Perspektive). Er konnte nicht nur jede Menge koreanischer Gerichte, nebst Hintergrundstory, aufzählen. Sondern fragte nach mehr Infos. Was natürlich auch der Sinn und Zweck dieser Kurse ist.
„Wir interessieren uns sehr für koreanische Suppen“, erzählten er und seine Frau, während sie sich um die Seetangsuppe, Miyeok-Guk, kümmerten. „Besonders für eine: Jjamppong!“
Ich war ehrlich gesagt sehr überrascht. Natürlich im positiven Sinne. Dass ein westlicher/deutscher Mensch mich auf Jjamppong anspricht, das war mir noch nie passiert. Und ich hatte auch nicht damit gerechnet. Denn Jjamppong ist schon ein Gericht für Fortgeschrittene. Es gehört zur sogenannten Korean-Chinese-Cuisine. Also chinesisches Essen, welches es nur in Korea gibt.
Chinesisch-koreanisches Essen
Ist so ein bisschen wie mit Döner, den es nur in Deutschland gibt (Den besten übrigens im Ruhrgebiet, da wo so viele türkischstämmige Menschen leben…) Oder mit California Maki, die es nur in den USA und mittlerweile natürlich auch in Europa gibt. Aber nicht in ihren vermeintlichen Heimatländern.
Ich selbst mag Korean-Chinese-Cuisine natürlich auch sehr gern. Als Kind war ich ein riesiger Fan von Jajangmyeon, welches es auch regelmäßig bei uns zu Hause gab. Komplett homemade natürlich, inklusive der Nudeln.
Tangsuyuk, doppelt gebratenes Schweinefleisch mit süß-saurer Sauce ist auch so ein Klassiker. Und eines der besten Comfort Foods überhaupt sind Gun Mandu, gebratene Teigtaschen.
Eine Schale voller Umami
Mit Jjamppong tat ich mich als Kind und Teenager etwas schwerer. Diese herzhafte Nudelsuppe ist sehr scharf und würzig und umami, besteht aus dicken Nudeln, Schweinebauch und vielen Meeresfrüchten. Mein Vater war (und ist wahrscheinlich immer noch!) ein riesiger Fan dieses Essens, das einem den Schweiß auf die Stirn treibt. Dabei ist diese Nudelsuppe wirklich etwas ganz Besonderes!
Paik Jong-Won, koreanischer Foodunternehmer, Kochbuchautor und Netflix-Star, betreibt übrigens eine Restaurantkette mit Korean-Chinese-Food. Und diese ist mittlerweile sogar nach Europa gekommen! In Amsterdam hat sein erstes Korean-Chinese-Restaurant eröffnet: Paiks Noodles. Der Star des Lokals sind natürlich Nudeln in allen Formen.
Aber zurück zu unserem Jjamppong-Fan. Er bat mich um ein Rezept. Ganz wichtig dabei: Wie kriegt man die Brühe so gehaltvoll hin? Mein Tipp: eine selbstgezogene, kräftige Hühnerbrühe (nur Not geht auch eine aus dem Glas, geht dann auch schneller. Aber ich rate IMMER zu selbstgezogenen Brühen).
Hitze, Fett und Schärfe
Und die Würzpaste für die Suppe, bei der unter anderem Gochugaru, das koreanische Chilipulver in Öl angebraten wird und somit zu Chiliöl wird. Wenn man darin den Schweinebauch auslässt, gibt die Verbindung von Fett und gebratenem Chiliöl dem Gericht die komplexe und erwünschte Tiefe. Aber jetzt will ich Euch nicht weiter auf die Folter spannen.
Mein Rezept für Jjamppong für zwei Portionen
Zutaten für zwei Portionen:
¼ Zwiebel
½ Möhre
½ Zucchini
85 Gramm Pak Choi
2 getrocknete Shiitake-Pilze, über Nacht in kaltes Wasser eingeweicht
2 Frühlingszwiebeln
1 Scheibe Schweinebauch
1 Beutel gemischte Meeresfrüchte (TK)
1 TL gehackter Ingwer
1 EL gehackter Knoblauch
2 EL Gochugaru (gern auch mehr oder weniger, nach gewünschter Schärfe)
1,2 Liter Hühnerbrühe (gern selbst gezogen, nur Not aber auch aus dem Glas)
2 Portionen frische Jajangmyeon-Nudeln. Sehr gut eignen sich aber auch getrocknete Nudeln. Dazu die Nudeln einer Jjampong-Instant-Suppe nutzen und das dazugehörige Brühenpulver mitsamt Tüte einfach wegwerfen
1 bis 2 EL Öl
1 EL Sojasauce
Salz, Pfeffer
Zubereitung:
Das Gemüse waschen und in feine Streifen schneiden.
Schweinefleisch in mundgerechte Stücke schneiden.
Meeresfrüchte auftauen, gut abspülen und trocken tupfen. Ggf. etwas kleiner schneiden.
Öl in einem großen Topf erhitzen, Knoblauch, Ingwer, Frühlingszwiebeln, Gochugaru und Sojasauce gut anrösten.
Das Schweinefleisch hinzufügen und unter Rühren bräunen.
Restliches Gemüse unterrühren und weich werden lassen, mit der Brühe ablöschen.
Nun die Meeresfrüchte dazu, mit Salz und Pfeffer abschmecken und garen, bis alle Zutaten weich sind.
Nudeln nach Packungsanleitung garen, in große Suppenschüsseln geben und mit der Suppe aufgießen.